A Land Down Under

May 10th, 2012 by chh28656

Eine Ewigkeit ist vergangen seit ich das letzte mal etwas in diesen Blog geschrieben habe, und trotzdem fuehlt es sich  wie 2 Wochen an. Dieses mal werde ich euch aber nicht mit meinen Gefuehlen und Alltagsgeschichten eindecken, stattdessen moechte ich im Zusammenhang mit dem ANZAC Day, dem 25. April, ueber Australien und wie wir es sehen sprechen.
 
Australien ist weit weg. Das erklaert so ziemlich unsere (Europas) ganze Beziehung zu Australien. Australien ist dieses Land Down Under, niemand kennt es wirklich, man liest nichts darueber in der Zeitung, es ist nich praesent in den Nachrichten, es ist einfach dort, und eben weit weg. Fuer uns ist es das Land mit den Kaengurus, mit dem Uluru den Surferboys, ein bisschen Abenteuer, ein bisschen Crocodile Dundee und ein seltsamer Akzent. Vielleicht verbringen wir mal die Ferien dort, schauen uns all die Touristenattraktionen an, kaufen Boomerangs, aber man koennte ja auch einfach nach Frankreich gehen, oder Italien, Australien ist eben weit weg.
 
Und dann gibt es die etwas seltsamen Gemueter wie ich, die fuer ein halbes Jahr verschwinden und in dieses Land reisen, ueber das sie nichts wissen ausser laecherlichen Klischees. Und ploetzlich ist da ein richtiges Land, mit Politik, mit 5 Uhr Nachrichten, mit Strassen, Infrastruktur, Schulen und Leuten, die tatsaechlich stolz sind, Australier zu sein. Australier, die am Australia Day auf die Strassen und in die Parks stroemen, mit der Australischen Flagge ueberall, und die am ANZAC Day in der Morgendaemmerung ihren Kriegsopfern gedenken.
 
Den Soldaten, die im ersten Weltkrieg in Gallipoli gefallen sind, wo sie and der Seite Neuseelands gegen die Tuerken gekaempft haben. Ja, man glaubt es kaum, aber Australien hat am meisten Verluste und Tote zu beklagen, und doch erinnert sich niemand an sie.
 
Niemand weiss, wer der Australische Premierminister ist, niemand weiss, dass Australien ein Problem mit uebergewichtigen Leuten hat. Selbst als 1993 die Erde Australiens bebte und man die japanische Sekte Aum, die ein Geheimlabor nahe dem Epizentrum besitzte, verdaechtigte, im Outback eine Atombombe zum Test gezuendet zu haben, war nichts davon in unseren Zeitungen zu lesen.
 
Doch jetzt bin ich selbst Down Under, und die ganze Situation hat sich umgedreht. Wenn ich am Morgen um 5 an einem Dawnservice teilnehme und alle verstummen in einer Scheigeminute, oder wenn ich in der Schule stehe, in Assembly, in meiner Schuluniform  und 2000 Schueler singen die Australische Nationalhymne, wenn in den Musikshops alles voll ist mit CDs von Australischen Bands und wenn in den Nachrichten sich alles nur um Australien dreht, Worldnews Fehlanzeige, dann ist ploetzlich Europa weit weg.
 
Und mit Europa mein normales Leben, meine Schule, all die kleinen Alltagsprobleme und Sachen, ueber die ich mir den Kopf zerbrochen habe, all das ist ploetzlich so weit weg. Die ganze Welt ist in den Hintergrund gerueckt, nichts dringt durch nach Australien, es ist als ob ich das Zentrum des Weltgeschehens verlassen haette. Denn das habe ich, und jetzt ist alles einfach nur weit weg. Und erstaunlicherweise bin ich trotzdem gluecklich, ich interessiere mich fuer diese neue Welt und kuemmere mich nicht sonderlich darum, was im Rest der Welt passiert. Denn Australien kuemmert sich nicht sonderlich. Und irgendwie fuehle ich mich als ob ich jetzt zu Australien gehoere.

About Mails, Sydney and Tim Tams

March 26th, 2012 by chh28656

Bevor ich euch wieder mal mit meiner Schwaermerei langweile moechte ich dieses Mal etwas ueber das Abenteuer Austauschsemester an sich schreiben. Als ich das erste mal darueber nachgedacht habe, ein Austauschsemester zu machen, war ich schon Wochen zu spaet fuer die normalen Anmeldefristen und meine Familie und Freunde dachten, es sei nur ein weiterer meiner zahllosen verrueckten Einfaelle. Ich weiss nicht warum es anders war dieses Mal, aber dieses Mal wollte ich es unbedingt durchziehen. Ich konnte ueber nichts anderes mehr nachdenken, sprechen, Tag und Nacht habe ich mit der Idee gespielt, mir ausgemalt, wie ich im Flugzeug sitzen wuerde, wie ich alles hinter mir lassen und in ein Abenteuer aufbrechen wuerde. Es war ein fantastiches Gefuehl und noch heute kann ich mich genau daran erinnern. Innerhalb einiger Wochen habe ich mich fuer 7 verschiedene Organisationen beworben, hatte Bewerbungsgespraeche und tausende Formulare auszufuellen. Und ich muss ehrlich sein, es sah ziemlich auswegslos aus. Ein Austausch in Australien schien unmoeglich fuer mich, und ploetzlich so weit weg. Die Aurgeregtheit und das Fernweh blieb, doch langsam glaubte ich selber nicht mehr an einen Austausch, ich dachte ‘Vielleicht naechstes Jahr” oder ‘Vielleicht nach der Matur’.

 

Doch dann kam das Mail. Das Mail das meinen Austausch moeglich machte.

Und jetzt kommt das Enttaeuschende: Der Enthusiasmus verschwand wieder. Irgendwie kam der Alltag zurueck, Australien rueckte in den Hintergrund. Und dann ging alles sehr schnell. Tausend Formulare, Visum, neuer Pass, packen, Zeugnis, sich verabschieden, Zimmer aufraeumen, putzen, Klasse verabschieden, Freunde, Familie, ein paar Traenen, zum Flughafen fahren, einchecken, Security und Bam, da sass ich im Flugzeug nach Australien, in ein neuses Leben, ein Abenteuer. Und irgendwie lebe ich jetzt hier, es ist normal, am morgen eine Schuluniform anzuziehen, normal nach der Schule an den Strand zu gehen, English ist zu einer Konstanten geworden, dies alles ist jetzt mein
Leben, mein Alltag. Und ich liebe meinen Alltag, und darum hier ein Tip an alle, die sich nicht sicher sind, ob sie ein Austauschsemester machen wollen, und auch an alle anderen: Ein Austtauschsemester zu machen war wahrscheinlich die beste Entscheidung meines Lebens, und die Erinnerung an die Zeit hier wird fuer immer ein Teil von mir sein, darum Go for it!!!

 

Nach diesem kleinen Abstecher nun zurueck zur Schwaermerei, hier eine kleine Ueberlebens-Vociliste um Australien und mein Leben zu verstehen:

Tim Tams  – Die besten Schokoladenkekse der Welt, ich werde definitiv ein paar mitbringen!!

Hungry Jack’s  – Australische Version von Burger King, wo man nach der Schule Oreo ice cream holen kann.

Benowa Redbacks  – Benowa High Volleyball Team <3 (Redbacks= giftige australische Spinne)

VHA, HA, SA, LA, VLA  – Schulnoten gehen von VHA10 bis VLA1, oder A-E

Maccas  – Mac Donalds

Surfers  – Surfers Paradise: Touristenort und Nightlife Paradies

Supre, Valleygirl etc.  – Billige Shops wo man Kleider kaufen kann

Annie  – Das Musical, das wir in Sydney gesehen haben, oh ja fast vergessen:

SYDNEY  – Ja, letztes Wochenende bin ich mit anderen Austauschschuelern nach Sydney gegangen, und es war awesome, eine hammer Stadt!!

AFL  – Australian Football

Rip currents  – Stroemungen, die einen vom Strand wegtreiben hinaus aufs offene Wasser, deshalb watch out!

Lamingtons  – Australisches Dessert, eine Art Bisquitkuchen in Schokoladensauce und Kokosstreusel getaucht yum!

Subway  – Fastfoodlinie wo man die besten Sandwiches bekommt!

Surf  – Surfconditionen, die ich immer noch nicht lesen kann :)

Danger! Sharks! No swimming!  – Wenn man das irgendwo liest sollte man es lieber ernst nehmen,gerade  diese Woche wurde an einem nahen Strand ein Junge von einem Hai gebissen!

Oi bruz boog soon aye  – Aussie at its extreme; go for a boog= go bodyboarding

Period  – 35 min lange Schulstunde, auch Single, 2 davon= double, 3=3 tripple

Roll  – Broetchen, das ich zum Lunch esse

awkward  – das Wort, das mein ganzes Leben irgenwie perfekt beschreibt :P

 

Zum Schluss moechte ich mich noch herzlich fuer die miserable Qualitaet dieses Eintrags entschuldigen, mein Deutsch laesst wirklich langsam zu wuenschen uebrig. So passiert es mir, dass ich manchmal mitten im Satz auf English anfange oder einen Satz auf English formuliere und dann uebersetzen muss. Von Kommas wollen wir gar nicht erst sprechen. Ja ich befinde mich zurzeit in diesem undankbaren Zustand wenn man noch nicht English spricht aber auch nicht mehr Deutsch. Und hiermit verbleibe ich in stiller Dankbarkeit an die, welche jeweils monatelang warten um dann so etwas zum Lesen zu bekommen, ihr seid die Besten! <3

 

 

 

 

 

It’s a new day, it’s a new dawn, it’s a new life!

March 6th, 2012 by chh28656

Ja, ich habe diesen Eintrag tatsächlich am 1-Monat-hier-Tag geschrieben, hatte aber bis jetzt nie Zeit, ihn zu posten. Ich habe es mittlerweile aufgegeben, meiner Familie, meinem Tagebuch oder den Leuten, die vielleicht diesen Blog lesen, zu erzaehlen, wie mein Leben hier genau ist. Es ist einfach zu viel, unmoeglich! Tatsaechlich bekomme ich manchmal Panikattacken, denn es gibt einfach keinen Weg, mein Leben hier festzuhalten, wegzusperren und fuer immer zu behalten. Am liebsten moechte ich es einfach in ein Marmeladenglas sperren und es spaeter oeffnen und alles noch einmal erleben. Doch das geht nicht. Ich muss es einfach probieren, probieren, diese Erinnerungen fuer immer in meinem Herzen wegzuschliessen, als ein Teil von mir selber.

Mein Deutsch wird tatsaechlich immer schlechter, aber hier ist das, was ich nach langem Herauszoegern hervorgebracht habe:

Ein Monat ist es jetzt her, seit ich auf wackeligen Beinen und mit schwindelndem Kopf aus dem Flugzeug gestolpert bin, hinein in mein neues Leben. Und ich muss sagen, ich liebe es. Ich liebe den Sand zwischen meinen Zehen, den Sonnenbrand auf meinen braunen Schultern, die Schuluniform und sogar meinen halbstuendigen Schulweg. Jeden Tag lerne ich neue Leute kennen, und nicht nur das, ich lerne auch mich selber besser kennen. Hier hat niemand irgendwelche Erwartungen an mich, und dadurch bin ich extrem frei. Man sollte eigentlich denken, wenn die Leute um einen herum wissen, wie man tickt, kann man sich selber sein. Doch das Gegenteil ist der Fall: Dadurch dass in diesem Land Australien keine, ja keine einzige, Person weiss, wer ich bin, kann ich ich selbst sein. Und ich kann dieses Ich veraendern! Zuhause wird man von den Leuten, die einen kennen, ohne dass man es bemerkt immer wieder in sein altes Ich zurueckgezwungen, hier ist dies nicht der Fall. Ich kann also einige meiner schlechten Angewohnheiten, wie zum Beispiel die, immer das letzte Wort haben zu wollen, einfach weglassen, und bin dadurch auch gluecklicher mit mir selbst. All das, die neue Umgebung und das Gefuehl, ich selbst zu sein, machen mich frei. Und ich liebe diese Freiheit.

Das war nun wirklich ein sehr ernster Anfang, aber ich habe mir gedacht, nach einem Monat muss man mal innehalten und reflektieren, was nicht nur um einen herum, sondern auch in einem drin geschehen ist.  Ich tippe diese Zeilen uebrigens auf meinem neuen Schullaptop, wo z und y verkehrt sind und es keine Umlaute gibt. Trotzdem sind die Schullaptops ziemlich cool, denn wir koennen sie in jede Stunde mitnehmen und muessen nicht mehr tonnenweise Papier vollkribbeln oder unsere Buecher herumschleppen.

Was ich noch anmerken wollte, war, wie extreme australisch hier alles ist. Am Anfang merkt man das noch nicht so, aber je mehr Leute man kennenlernt, desto mehr wird es einem bewusst. Aye und Mate und G’Day, diese Wendungen gehoeren in jedes Gespraech. Der Typ, mit dem man Nachmittags nach Hause laeuft kommt aus einem kleinen Dorf im Outback und geht jeden Morgen um halb 5 an den Strand surfen. Im Supermarkt kann man Kangoroofleisch kaufen. Volleyball ist cool. Und natuerlich Australien Football.

Zuletzt moechte ich noch auf einige Maengel in der deutschen Sprache hinweisen: Bis heute habe ich noch keine annaehernd akzeptable Uebersetzung fuer awkward gefunden, ein Wort, das ich hier taeglich brauche und nicht mehr weiss, wie ich ohne es ueberleben sollte.

Zuallerletzt muss ich noch anmerken, dass der Umgang mit Jungs hier extrem schwierig ist. Die meisten meiner Kollegen hier sind Jungs, Jungs sind hier extrem offen, man kann sich mit ihnen richtig gut unterhalten, sie sind sportlich und einfach cool. Allerdings muss man sich immer in Acht nehmen, denn sobald man hier zu viel Zeit mit einem Jungen verbringt, ist man ‘dating’ oder ‘going out’. Dies geht aber nur, wenn der Junge und das Maedchen ‘available’ sind. Geben sie zu, dass sie ‘going out’ sind, sind sie ‘going steady’. ‘in a relationship’ ist man erst wenn man seinen Status auf Facebook aendert. Sehr kompliziert. Zu kompliziert.
Ich vermisse euch, i’ll catch up on u! :)
<3 laura

G’Day Mate!

February 15th, 2012 by chh28656

Ja ich weiss, es ist eine ganze Weile her seit ich das letzte mal geschrieben habe. Doch jedes mal kostet es mich ca. 3 Tage Überwindung bis ich mich hinsetze, meine letzten paar Brocken Deutsch hervorkrame und mich der undankbaren Aufgabe, einen halbwegs lesbaren Text auf der winzigen Tastatur eines iPads zu schreiben, widme. Nun, ganz so dramatisch ist es nicht, aber wenn man bedenkt was sonst alles so läuft in meinem Leben in Australien wird man eben wählerisch.

Ich würde gerne schreiben “Nach … Wochen habe ich mich schon total eingelebt blablabla”, aber die Wahrheit ist, ich habe vergessen wie lange ich schon hier bin, wann ich zurückkehren werde, ich kenne nur noch das hier und jetzt. Und vielleicht habe ich sogar vergessen, wer ich selber bin. Denn hier habe ich jeden Tag die Chance, mich neu zu definieren, jemand anderes zu sein. Die Leute hier kennen mich nicht, sie haben keine Vorurteile, keine Erwartungen. Und tatsächlich merke ich, dass ich hier anders bin als zu Hause. Das warme Wetter macht mich gesünder, die Leute offener, die Sonne bräuner. Und ich bin glücklich mit meinem australischen Ich, es ist lockerer, macht sich weniger Gedanken.

Und nach diesem kleinen philosophischen Imput muss ich jetzt natürlich auch noch ein wenig fies sein, so drastisch habe ich mich auch wieder nicht verändert. Ich werde euch deshalb von meiner Woche erzählen. Fangen wir an am letzten Samstag, 35 Grad im Schatten, strahlende Sonne, Wecker klingelt um 6:30. Ich radle mit meinem Fahrrad zum Strand, woich um 7:45 mit anderen Austauschschülern eine Surflektion habe, danach liegen wir am Strand und.. ja wir liegen am Strand was will man mehr!! Am Nachmittag mit einem Kolleg ins Kino und am nächsten Tag mit Freunden nach Brisbane, eine wundervolle Stadt mit keinerlei Sehenswürdigkeiten, dafür ein paar Wolkenkratzern und einem Fluss.

Montag Schule, Dienstag Schule mit Volleyballtraining vorher und nachher (!), Valentinstag. Ja Valentines Day, das heisst rote Rosen wo man hinschaut, fast jedes Mädchen läuft mit einer Rose im Arm durch die Gegend, ein naives Grinsen im Gesicht, einige mit riesigen Plüschtieren, Süssigkeiten, noch grösserem Grinsen.
Morgen habe ich keine Schule, denn ich bin tatsächlich ausgewählt worden, an die Trials für die Volleyballmannschaft zu gehen, die unsere Region, also Southcoast, an der Queenslandmeisterschaft vertritt. Nicht dass ich ausgewählt werde, aber immerhin keine Schule. Diesen Samstag gehe ich wieder mit den Austauschschülern surfen, und anschliessend noch mit zwei Jungs die ich hier kennengelernt habe.

Und schliesslich zum Schluss noch etwas, was alle weiblichen Leserinnen, sollte es überhaupt welche geben, interessiert: die Jungs hier. Ja, es gibt sie tatsächlich, die Surferboys, am Strand, im Wasser, manchmal sogar in der Schule. Aber es gibt auch ziemlich viele Nerds hier, und eine ganze Menge normaler Jungs. Die Mädchen, für alle, die sich unter australischen Chics braungebrannte Pamela Anderssons vorstellen, entsprechen, zumindest die an der Schule, überhaupt nicht diesem Klischee. Hier ist nichts mit natürlicher Schönheit, die meisten laufen mit orange gepuderten Gesichtern, gefärbten Haarextensions und schwarz verklebten Wimpern rum, vertieft in ihre Smartphones. Ein paar haben doch glatt angefangen zu heulen als sie für die Schulfotos einen Teil ihres Makeups abschminken mussten! Dann wieder viele Nerds, und schliesslich diese kleine Gruppe normaler Mädchen. Trotzdem habe ich ein paar echt coole Leute kennengelernt, und die Reihen der unbekannten Gesichter lichten sich langsam.

Nun, das wars auch schon, danke an alle die bis hier gelesen haben, ich vermisse euch trotz allem und versuche, bald wieder und hochstehender zu schreiben!
Laura

About the adventure daily life

February 3rd, 2012 by chh28656

Alles ist anders hier. Die Temperaturen, der Geruch wenn man ins Haus geht, die Vögel, die am Morgen zwitschern und auch mal langschnablig durch die Schule spazieren, das Brot, der Sparschäler, die Busfahrer, die Sprache, Periods, Buddies, Assemblies, Show Choir, Trials, Mates. Alles ist anders. Das mag vielleicht banal klingen, aber hier am anderen Ende der Welt ist alles, absolut alles, fremd. Es gibt keine Routine, keine bekannten Gesichter, kein bekanntes Essen, nichts. Alles ist fremd. Gut oder schlecht, einfach nur fremd. Es fängt morgens an, wenn ich die Augen öffne, geweckt vom Zwitschern fremder Vögel und den fremden Sonnenstrahlen, die mir ins Gesicht scheinen. ( Ja, ganz richtig, Sonne, die geht nämlich hier schon um 5 Uhr morgens auf, denn die Queensländer weigern sich, die Sommerzeit einzuführen. So sind sie eben. ) Ich liege also wach in meinem Bett, unter einem dünnen Laken, wegen der Hitze, klar. Ich stehe auf, dusche genau 3 Minuten lang, mehr ist hier nicht erlaubt. Haare föhnen Fehlanzeige, zu warm. Dann ziehe ich meine Schuluniform an, grauer knielanger(!) Jupe, weisse Bluse, verkrüppelte Kravatte, Benowa High. Ich rolle meinen Jupe unter der Bluse genau so weit hoch, dass ich nicht mehr wie die olle Tante Berta aussehe, aber auch nicht einen Schwimmring um die Hüfte habe, mehr lässt sich einfach nicht machen. Ich schaue in den Spiegel und sehe schrecklich aus. Beruhigt packe ich mir etwas zum Lunch ein und gehe die 2 Kilometer zur Schule. Hügel runter Hügel rauf Hügel runter Hügel rauf Hügel runter Ziel. In der ersten Stunde, um viertel vor 9 gehe ich in meine Care Class, wo der Lehrer checkt dass alle da sind und uns alle Infos über den Tag durchgibt.Dann habe ich 3 Periods Schule, anschliessend Morning Tea, aber alle essen Lunch. Danach nochmal 3 Periods und Lunch, wo dann alle merken dass sie eigentlich noch Hunger haben und in die Kantine gehen,um dort irgendetwas angeblich gesundes zu kaufen, wie zum Beispiel Hotdogs, Pizza, Cupcakes und mehrere undefinierbare Gerichte. Dann nochmal 2 Periods und um viertel vor 3 ist die Schule fertig. Die Schule gefällt mir, aber ist eigentlich ein Witz. In Mathematik haben wir momentan Zinsrechnung, und die Lehrerin hat es tatsächlich geschafft, uns als Lösung an die Tafel zu schreiben: 650-250=300. In Marine Studies lernen wir wie man ein Boot fährt, in Englisch lesen wir zusammengefasste griechische Sagen, in Modern History befassen wir uns mit 9/11 und in Drama ist immer Drama angesagt. Und schliesslich Music, wo wir hauptsächlich erzählen welche Songs wir mögen, für eine Performance am Ende von Term 1 üben (wir sind in Gruppen und können eigene Songs wählen und dann spielen und singen in meinem Fall, also wie Minibands). Und sollten wir tatsächlich mal Theorie machen, zum Beispiel Sharp Signs üben, geht der Lehrer im Klassenzimmer rum und sagt zu allen: come on mate! you can do this buddy! you’re doing great guys i love it! Ziemlich cool.
Etwas was man auch unterschätzt in seiner Fremdheit sind übrigens die Leute. Ich gehe durch diese riesige Schule, tausend kleine Häuser überall verstreut, mit 2000 Schülern auf den Gängen, die übrigens draussen sind, überdachte Wege. Anonyme Gesichter, durch die Schuluniformen noch mehr anonymisiert, alle sind gleich, alle sind fremd.
Aber ich bin jetzt seit fast 2 Wochen hier, und langsam lichtet sich die Fremdheit ein bisschen. Die Gesichter werden zu Menschen, man winkt ab und zu jemandem zu, die Menschen werden zu Kollegen. Wenn ich über die Strasse gehe, schaue ich zuerst nach rechts, der Geruch wird langsam zur Normalität und die Hitze zum Alltag. Die Schuluniform wird praktisch, Das Volleyballvokabular geläufiger und die Tanzpartner beim Jive bekannter. Ich habe mich daran gewöhnt, dass der Busfahrer, wenn niemand anders im Bus ist, einen einfach nach Hause fährt, habe gelernt, wie ich mit meinem neuen billigen Handy sms schreiben kann und wie man mit dem Sparschäler schält. Und vielleicht, nur vielleicht, wird mit der Zeit dieses Land Australien für mich zum Zuhause. Und trotzdem entdecke ich jeden Tag etwas neues, unbekanntes, kenne erst einen kleinen Teil meines neuen lebens hier.
Eins ist klar, Alltag wird es niemals werden, da reicht ein Spaziergang am Strand um das zu beweisen.
Ich melde mich so bald wie möglich wieder, leider schaffe ich es immer noch nicht, Bilder hochzuladen. Die die bis hier gelesen haben, mann ihr habt Nerven, danke!
<3 Laura

Suit up!

January 23rd, 2012 by chh28656

Ich weiss, ich weiss, ihr wollt alle nur das eine, ein dämliches Bild von mir in meiner lächerlichen Uniform. Aber so schnell geht das nicht, zuerst müsst ihr euch noch durch einen Haufen Australien durchlesen. Ja, so ist es, ich bin endlich in Australien angekommen, in mehr oder weniger (eher weniger) ansehlicher Form. Aber so geht es einem eben, wenn man so seltsam ist, dass man das Verlangen verspürt, ans andere Ende der Welt zu reisen. Aber jetzt bin ich ja hier. Und es ist grandios hier.
Schon an meinem ersten Tag, der Jetleg war noch nicht ausgeschlafen, der Koffer noch nicht ausgepackt, ging ich mit meiner Hostmum, einer reizenden Person, die hässlichsten Schuhe, die ich je besitzen werde, kaufen, ein kleiner Vorgeschmack auf die Schuluniform. Danach gings zum Strand, zum sehr windigen Strand, doch trotz allem traumhaft für eine käsige Schweizerin. Und wie es das Schicksal so wollte, fanden genau an diesem Tag an diesem Strand in Surfers Paradise die National Beach Volleyball Series statt, und wir haben uns den kleinen Final der Damen und den grossen der Herren angeschaut. Und es ging so richtig ab. Da soll noch einer sagen, Volleyball sei ein Mädchensport!!
Dann, der nächste Tag. Highschool. Und wir waren schon am ersten Tag zu spät. Ok. Guter Start. Es war aber nicht einmal so schlimm, denn alle Austauschschüler mussten den ganzen Tag in der Bibliothek sitzen, und zuhören, was alles verboten ist. Dann Schuluniformen anprobieren, was ziemlich sinnlos ist, so formlos, wie sie ist, herumgehen, verwirrt sein, aufgeben. Die Schule ist riesig. 2000 Schüler! Aber sonst eigentlich ok, die Lehrer sind extrem nett, und ich habe die Fächer Mathe, English, Sport, Drama, Music, Marine Studies und Modern History. Das muss man einfach mögen. Also, morgen gibt es nochmal einen langweiligen Informationstag, und Mittwoch fängt dann endlich die Schule an, und am Nachmittag sind Volleyball Tryouts. Donnerstag ist frei, Australia Day, und nächsten Montag ist Swimming Carneval, das heisst man muss eigentlich nur den ganzen Tag in den Farben seinen Hauses (jap, wie bei Harry Potter) am Pool rumstehen. Und irgendwann werde ich wohl auch noch ein Foto von mir in meiner Uniform machen. Irgendwann.
So, ich muss zu Zumba.
Love, Laura

Next Stop: Australia

January 19th, 2012 by chh28656

Es ist so weit, und das berühmt-berüchtigte Vorabendgefühl stellt sich langsam ein. Der Koffer ist noch nicht gepackt, das Zimmer nicht aufgeräumt, und ich habe keine Ahnung, welchen Schulstoff ich mitnehmen soll. Meine Mutter wird sentimental, und sowieso geht es mental drunter und drüber. Pünktlich auf mein Abreisedatum hin hat sich natürlich auch noch meine Gesundheit verabschiedet, und so werde ich zurzeit von Schluck-, Kopf- und trotzdem immer noch von Fernweh geplagt. Und dann dieses undefinierbare Gefühl, das man nicht Heimweh nennen kann, weil man noch zu Hause ist, nicht Vermissen, aber eine Vorahnung auf diese beiden Gefühlslagen vielleicht? Diese Weltuntergangstimmung, “Nein geh nicht weg, ich werde dich so vermissen” und dazu doch immer “Viel Spass!”. Man fühlt sich wie einer der vielen Entdecker, die sich auf den Weg nach Australien machten, um dann jämmerlich im Outback zu verdursten, verhungern, oder vergiftet zu werden. Ja mit dem Gift ist das so eine Sache in Australien… Aber ich sehe, ich schweife ab, und bin zusätzlich noch meinem Hang zum Dramatischen verfallen. Das muss das Vorabendgefühl sein. Also hier sind einige knallharte Fakten zur Abwechslung:

- Ich werde meinen Blog doch nicht auf Deutsch und Englisch schreiben, sondern einfach in der Sprache, auf die ich gerade Lust habe, sonst ist das ganze etwas unauthentisch.

- Ich habe die beste Klasse der Welt, und falls irgendjemand von euch das je liest, vielen Dank für das tolle Buch, ihr werdet mir fehlen!

- Ich muss jetzt packen.

Wie ihr merkt lässt dieser Eintrag qualitativ einiges zu wünschen übrig, doch zu mehr bin ich momentan einfach nicht imstande. Doch ich verspreche, dass dem nicht so bleibt!

Bis in Australien, eure Laura

About me…

November 19th, 2011 by chh28656

Hei, ich bin Laura, und ich reise im Januar 2012 für ein halbes Jahr nach Queensland, Australien. Nach längerem Zögern (und einigen Überredenskünstlern :P ) habe ich mich entschieden, während meinem Austausch einen Blog zu schreiben, in dem meine Familie und Freunde nachlesen können, was ich in Down Under alles erlebe und so auch an meinem Abenteuer teilnehmen können. Ich werde meine Einträge wenn möglich auf Deutsch und Englisch schreiben, damit auch die Leute, die ich in Australien kennen lernen werde, sie lesen können. Für alle, die mich nicht kennen, ich komme aus der Schweiz, bin 16 Jahre alt und in meiner Freizeit spiele ich Volleyball, ich mag Tanzen, Theater, Musik, bin ein Musical-Fan und liebe natürlich Reisen!!!

Hi, I’m Laura and I’m going to go to Queensland, Australia as an exchange student for half a year, starting in January 2012. After hesitating  for a long time (and being talked into it :) ) I finally decided to write a blog for my family and friends to read about my experiences in Down Under so that they can also take part in my adventure. I will try to write my posts both in German and English, so the people I’ll meet in Australia will also be able to read them. For all those who don’t know me, I’m Swiss, 16 years old, I play volleyball and I like dancing, acting, music, I’m a musical-fan and of course I love travelling!!!