Ja ich weiss, es ist eine ganze Weile her seit ich das letzte mal geschrieben habe. Doch jedes mal kostet es mich ca. 3 Tage Überwindung bis ich mich hinsetze, meine letzten paar Brocken Deutsch hervorkrame und mich der undankbaren Aufgabe, einen halbwegs lesbaren Text auf der winzigen Tastatur eines iPads zu schreiben, widme. Nun, ganz so dramatisch ist es nicht, aber wenn man bedenkt was sonst alles so läuft in meinem Leben in Australien wird man eben wählerisch.
Ich würde gerne schreiben “Nach … Wochen habe ich mich schon total eingelebt blablabla”, aber die Wahrheit ist, ich habe vergessen wie lange ich schon hier bin, wann ich zurückkehren werde, ich kenne nur noch das hier und jetzt. Und vielleicht habe ich sogar vergessen, wer ich selber bin. Denn hier habe ich jeden Tag die Chance, mich neu zu definieren, jemand anderes zu sein. Die Leute hier kennen mich nicht, sie haben keine Vorurteile, keine Erwartungen. Und tatsächlich merke ich, dass ich hier anders bin als zu Hause. Das warme Wetter macht mich gesünder, die Leute offener, die Sonne bräuner. Und ich bin glücklich mit meinem australischen Ich, es ist lockerer, macht sich weniger Gedanken.
Und nach diesem kleinen philosophischen Imput muss ich jetzt natürlich auch noch ein wenig fies sein, so drastisch habe ich mich auch wieder nicht verändert. Ich werde euch deshalb von meiner Woche erzählen. Fangen wir an am letzten Samstag, 35 Grad im Schatten, strahlende Sonne, Wecker klingelt um 6:30. Ich radle mit meinem Fahrrad zum Strand, woich um 7:45 mit anderen Austauschschülern eine Surflektion habe, danach liegen wir am Strand und.. ja wir liegen am Strand was will man mehr!! Am Nachmittag mit einem Kolleg ins Kino und am nächsten Tag mit Freunden nach Brisbane, eine wundervolle Stadt mit keinerlei Sehenswürdigkeiten, dafür ein paar Wolkenkratzern und einem Fluss.
Montag Schule, Dienstag Schule mit Volleyballtraining vorher und nachher (!), Valentinstag. Ja Valentines Day, das heisst rote Rosen wo man hinschaut, fast jedes Mädchen läuft mit einer Rose im Arm durch die Gegend, ein naives Grinsen im Gesicht, einige mit riesigen Plüschtieren, Süssigkeiten, noch grösserem Grinsen.
Morgen habe ich keine Schule, denn ich bin tatsächlich ausgewählt worden, an die Trials für die Volleyballmannschaft zu gehen, die unsere Region, also Southcoast, an der Queenslandmeisterschaft vertritt. Nicht dass ich ausgewählt werde, aber immerhin keine Schule. Diesen Samstag gehe ich wieder mit den Austauschschülern surfen, und anschliessend noch mit zwei Jungs die ich hier kennengelernt habe.
Und schliesslich zum Schluss noch etwas, was alle weiblichen Leserinnen, sollte es überhaupt welche geben, interessiert: die Jungs hier. Ja, es gibt sie tatsächlich, die Surferboys, am Strand, im Wasser, manchmal sogar in der Schule. Aber es gibt auch ziemlich viele Nerds hier, und eine ganze Menge normaler Jungs. Die Mädchen, für alle, die sich unter australischen Chics braungebrannte Pamela Anderssons vorstellen, entsprechen, zumindest die an der Schule, überhaupt nicht diesem Klischee. Hier ist nichts mit natürlicher Schönheit, die meisten laufen mit orange gepuderten Gesichtern, gefärbten Haarextensions und schwarz verklebten Wimpern rum, vertieft in ihre Smartphones. Ein paar haben doch glatt angefangen zu heulen als sie für die Schulfotos einen Teil ihres Makeups abschminken mussten! Dann wieder viele Nerds, und schliesslich diese kleine Gruppe normaler Mädchen. Trotzdem habe ich ein paar echt coole Leute kennengelernt, und die Reihen der unbekannten Gesichter lichten sich langsam.
Nun, das wars auch schon, danke an alle die bis hier gelesen haben, ich vermisse euch trotz allem und versuche, bald wieder und hochstehender zu schreiben!
Laura
